Engel Deko
Design & Ausstrahlung
Am Engel als Dekostück hängt ein gestalterisches Problem, das jede Ausführung anders löst: die Flügel. Frei ausgebreitet sind sie die auffälligste Partie und gleichzeitig die empfindlichste, weil sie ohne Stütze aus dem Körper heraustreten. Deshalb gibt es drei Bauweisen — angelegte Flügel, die der Rückenlinie folgen und kaum vorstehen; halb geöffnete, bei denen die Federspitzen nach unten in den Sockel geführt sind; und das Relief, bei dem die Flügel als flache Platte hinter der Figur stehen.
Im Innenraum dominieren kleinere Formate und hellere Oberflächen als draußen: Weiß, Creme, Steingrau, gelegentlich Silber- oder Perlmuttglanz. Verarbeitet werden Kunstharz und Stoff: gegossene Figuren in mattem Weiß stehen neben Stoffengeln mit Filzflügeln, die als Kantensitzer auf der Regalkante Platz nehmen.
Bedeutung
Die Flügel sind eine spätere Zutat. Der Putto — das nackte Kind mit kleinen Flügeln — kam noch später aus der Renaissance dazu und hat mit dem Boten eigentlich nichts zu tun.
Die Haltungen tragen eigene Aussagen. Gefaltete Hände zeigen Gebet, eine vorgestreckte offene Hand den Schutz, das gesenkte Gesicht die Trauer, ein Instrument den Lobpreis. Das erklärt, warum derselbe Motivkreis sowohl auf Gräbern als auch im Kinderzimmer vorkommt: Es sind verschiedene Haltungen derselben Figur.
Einsatzbereiche
Erhöht und einzeln stehend wirkt ein Engel ruhiger als in einer Gruppe, weil die Flügelkontur Raum nach oben braucht — unter einem tiefen Regalbrett wird sie abgeschnitten. Gut passen Fensterbank, Kaminsims und Konsole.
Für die Adventszeit stehen Engel häufig in der Nähe des Kranzes oder auf dem Fenstersims mit Blick nach außen — eine Aufstellung, die auf den erzgebirgischen Brauch der Lichterengel im Fenster zurückgeht. Abgebrochene Flügelspitzen sind der häufigste Schaden, deshalb beim Umstellen am Körper greifen, nicht an den Flügeln.